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Soro Projekt Wiesloch

Wir lernen früh, unseren Körper zu kontrollieren. Aber wer bringt uns bei, ihn zu verstehen?

vor 3 Stunden
6 Min. Lesezeit

Meine persönliche Reise zu mehr Zykluswissen und warum Perimenopause, ADHS, Ernährung und Frauengesundheit viel mehr Aufmerksamkeit verdienen.


Alaia Müller, Gründerin des SORO Projekts, lächelt mit einer Tasse Kaffee in die Kamera.

Ich muss ungefähr im Kindergartenalter gewesen sein, als ich im Sitzkreis meine Hände unter die Oberschenkel schob. Nicht, weil das besonders bequem war, sondern weil meine Beine dann nicht so breit auf dem Stuhl auflagen. Ich wollte nicht, dass sie dick aussahen.

Wenn ich heute daran zurückdenke, erschreckt mich weniger diese einzelne Szene als die Selbstverständlichkeit dahinter. Schon als kleines Mädchen hatte ich verstanden: Mein Körper wird angesehen und bewertet. Also sollte ich besser lernen, ihn zu kontrollieren.

Dazu passte der Satz, den viele Frauen kennen: Bauch einziehen.


Als ich ungefähr neun Jahre alt war und eine Zeit lang etwas pummeliger war, wurde mir das von meinem dirketen Umfeld deutlich gespiegelt. In meiner Familie waren die Frauen überwiegend sehr schlank, und auch mein Körper wurde daran gemessen. Später war ich wieder sehr schlank, zeitweise sogar eher untergewichtig, und damit schien das Thema erledigt zu sein. Heute sehe ich: Es war nicht erledigt. Ich hatte nur sehr früh gelernt, dass mein Körper beobachtet wird und dass ich besser darauf achten sollte, nicht zu viel zu sein.


Warum ich meinen Zyklus lange kaum kannte


Auch über die Periode habe ich früh vor allem gelernt, dass sie möglichst unsichtbar bleiben soll. Man sollte sie nicht riechen, nicht darüber sprechen und sich bloß nicht anmerken lassen, wenn es einem schlecht ging. Sätze wie „Hast du deine Tage oder warum bist du so zickig?“ machten aus einem körperlichen Vorgang zugleich etwas Lächerliches und etwas Beschämendes.


Und diese Botschaften begegnen uns bis heute. Periodenprodukte werden damit beworben, besonders sauber, geruchsneutral und diskret zu sein. Tampons werden unter dem Tisch oder in der geschlossenen Hand weitergegeben, als würde man etwas Verbotenes austauschen. Bloß niemand soll sehen, dass eine Frau ihre Periode hat.


Dabei finde ich den Unterschied im Umgang mit Blut bemerkenswert: Wenn sich jemand das Knie aufschlägt und die Hose dabei blutig wird, ist das vielleicht unangenehm, aber nicht beschämend. Man ist eben hingefallen und hat sich verletzt. Wenn dagegen Periodenblut auf der Kleidung zu sehen ist oder am Bein herunterläuft, wird daraus sofort etwas vermeintlich Unsauberes, das möglichst schnell versteckt werden muss.


Warum sollte das eine Blut mit Scham verbunden sein und das andere nicht?


Ich wollte außerdem nicht zu den Mädchen gehören, die sich über ihre Periode beschweren. Heute würde man vielleicht sagen: ein bisschen Pick-me-Girl. Ich hatte doch Power. Ich biss die Zähne zusammen und funktionierte weiter. Damit hatte ich nicht nur gelernt, meine Periode zu verstecken, sondern auch, meine eigenen Beschwerden möglichst kleinzureden.

Die Pille nahm ich schon sehr früh und später auch zwischen meinen Schwangerschaften.


Erst nach meinem dritten Kind, als ich auf Hormone verzichtete, lernte ich meinen natürlichen Zyklus überhaupt richtig kennen. Plötzlich konnte ich meinen Eisprung spüren und PMS-Beschwerden bestimmten Phasen zuordnen. Ich begann, meinen Zyklus zu tracken – zumindest so lange, bis mein ADHS mich das regelmäßig wieder vergessen ließ.

Trotzdem veränderte dieses Wissen etwas. Nicht jeder Tag fühlt sich gleich an, weil mein Körper nicht an jedem Tag gleich arbeitet.


Das ist keine Ausrede und kein starres Regelwerk. Es ist eine Information, die mir helfen kann, verständnisvoller mit mir umzugehen.


Passend dazu gibt es bei SORO Projekt auch die Workshopreihe „Zyklusintelligent leben", in der Johanna medizinisches und ganzheitliches Zykluswissen miteinander verbindet.


Perimenopause mit 37 – kann das schon sein?


Im Mai besuchte ich bei SORO einen Workshop von Johanna zur Perimenopause. Schon vorher hatte ich mich gefragt, ob manche Veränderungen bei mir damit zusammenhängen könnten. An diesem Abend wurde mir klarer, dass die hormonelle Umstellung nicht erst irgendwann kurz vor 50 beginnt. Sie kann sich deutlich früher bemerkbar machen – und sie sieht nicht bei jeder Frau gleich aus.


Besonders aufmerksam wurde ich beim Zusammenhang mit ADHS. Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass Frauen mit ADHS stärkere perimenopausale Beschwerden berichten und diese teilweise schon in jüngeren Altersgruppen wahrnehmen. Das bedeutet nicht, dass jede Frau mit ADHS automatisch früher in die Perimenopause kommt. Die Forschung dazu ist noch jung. Für mich war es aber ein wichtiger Hinweis, genauer hinzusehen und meine Beobachtungen ernst zu nehmen, statt sie vorschnell als Stress oder persönliche Unzulänglichkeit abzutun.


Ob ich tatsächlich bereits in der Perimenopause bin, kann ein Workshop natürlich nicht diagnostizieren. Aber er hat mir die Sprache und das Wissen gegeben, Veränderungen bewusster wahrzunehmen und sie bei Bedarf medizinisch abklären zu lassen.


Inzwischen begleitet Johanna das Thema bei SORO erneut in ihrem Workshop „Perimenopause – Wenn dein Körper sagt: ACHTERBAAAAHN!“. Dort geht es nicht darum, jede Veränderung sofort den Hormonen zuzuschreiben, sondern den eigenen Körper besser zu verstehen und mögliche Zusammenhänge einordnen zu können.



Schlank zu sein bedeutet nicht, gut versorgt zu sein


Ähnlich lange hatte ich beim Thema Ernährung einen blinden Fleck. Weil ich einen guten Stoffwechsel habe und nicht schnell zunehme, war Ernährung für mich innerlich oft abgehakt. Wenn das Gewicht stimmt, scheint schließlich alles in Ordnung zu sein. Dabei sagt eine Zahl auf der Waage wenig darüber aus, ob der Körper tatsächlich bekommt, was er braucht.


Heute interessiert mich eine andere Frage: Welche Nährstoffe braucht mein Körper, damit er mich gut durch den Tag tragen kann? Gerade mit ADHS geht es dabei nicht nur um Wissen. Mahlzeiten müssen geplant, eingekauft und zubereitet werden. Im Hyperfokus kann Essen völlig untergehen, und wenn die Energie fehlt, muss es oft einfach schnell gehen. Das ist keine Frage mangelnder Disziplin, sondern eine sehr praktische Herausforderung im Alltag.


Bei mir kommt eine chronische Darmentzündung hinzu. Als meine Colitis ulcerosa vor fast 15 Jahren diagnostiziert wurde, bekam ich Medikamente. Über Ernährung oder den Umgang mit Stress wurde mit mir damals kaum gesprochen.


Medikamente sind bei einer solchen Erkrankung wichtig und Ernährung ersetzt keine Behandlung. Gleichzeitig erlebe ich bis heute, dass Stress bei mir zuerst auf den Darm schlägt. Ich hätte mir deshalb schon früher einen Blick gewünscht, der nicht nur die Erkrankung behandelt, sondern auch fragt, was meinen Körper im Alltag unterstützt.


Dass Ernährung dabei nicht in jeder Lebensphase dasselbe bedeutet, wird auch in der Perimenopause sichtbar. Wenn sich der Hormonhaushalt verändert, können sich ebenso Energie, Schlaf, Verdauung und das eigene Körpergefühl verändern. Umso hilfreicher kann es sein, nicht mit der nächsten Diät zu reagieren, sondern genauer zu betrachten, was der eigene Körper jetzt braucht.


Durch die Zusammenarbeit mit Uta und ihre Workshops zu Ernährung bei ADHS, emotionalem Essen und Ernährung in der Perimenopause entdecke ich Ernährung deshalb noch einmal neu: nicht als Diät und nicht als weiteres Optimierungsprojekt, sondern als Versorgung und als Möglichkeit, die Signale meines Körpers besser zu verstehen.


Es geht nicht darum, meinen Körper kleiner zu machen. Es geht darum, ihm etwas zu geben.


Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit


Meine Erfahrungen sind persönlich, aber sie stehen nicht für sich allein. Frauenkörper wurden lange vor allem dann betrachtet, wenn es um Fortpflanzung ging. In der medizinischen Forschung, bei Diagnosen und in der Behandlung galt der männliche Körper häufig als Standard. Über viele weibliche Lebensphasen, Beschwerden und hormonelle Zusammenhänge wissen wir deshalb noch immer zu wenig.


Dieser Gender Health Gap beginnt langsam kleiner zu werden, aber er prägt weiterhin, welches Wissen uns zur Verfügung steht und wie ernst Beschwerden genommen werden.

Gleichzeitig wachsen viele Mädchen mit der Vorstellung auf, ihr Körper müsse schlank, glatt, leistungsfähig und unauffällig sein.


Die Periode soll diskret verschwinden, Beschwerden sollen den Alltag nicht stören und Veränderungen sollen möglichst niemandem auffallen.


Wir lernen früh, unseren Körper zu regulieren. Aber nur selten lernen wir, ihn zu verstehen.



Den eigenen Körper verstehen, statt gegen ihn zu kämpfen


Ich bin sehr dankbar, dass ich durch SORO heute Expertinnen wie Johanna und Uta um mich habe. Ihre Perspektiven helfen mir, Zusammenhänge zu erkennen, die ich lange nicht gesehen habe. Dabei geht es nicht darum, für jedes Gefühl sofort eine Erklärung zu finden oder den Körper nun auf eine neue Weise perfekt zu managen.


Es geht um Neugier. Um die Frage: Was passiert gerade in mir und was könnte ich brauchen?


Genau dafür möchte ich mit dem Frauengesundheitsprogramm bei SORO Raum schaffen. Einen Ort, an dem wir Wissen bekommen, Fragen stellen und Erfahrungen miteinander teilen können – ohne Scham, ohne Bewertung und ohne den Anspruch, jeden Tag gleich funktionieren zu müssen.


Vielleicht müssen wir unseren Körper nicht ständig in den Griff bekommen. Vielleicht dürfen wir endlich anfangen, ihm zuzuhören.


Du möchtest deinen Körper besser verstehen?


Im Frauengesundheitsprogramm bei SORO findest du Workshops zu Zykluswissen, Perimenopause, ADHS und Ernährung – mit fundiertem Wissen, Raum für deine Fragen und Austausch mit anderen Frauen.


    


Über die Autorin


Alaia Müller, Gründerin von SORO Projekt in einer Gruppe von Frauen beim Sommerfest in Wiesloch
Alaia Müller - Gründerin von SORO Projekt in Wiesloch

Ich bin Alaia, Gründerin von SORO Projekt und selbst Mama von drei Kindern. Mit SORO möchte ich in Wiesloch einen Ort schaffen, an dem Frauen sich begegnen, Neues ausprobieren, sich weiterentwickeln und Gemeinschaft erleben können.

Hier im SORO Blog schreibe ich über Gedanken, Beobachtungen und Erfahrungen, die mir im Alltag mit SORO begegnen und über Themen, bei denen ich finde, dass es sich lohnt, ein bisschen genauer hinzuschauen.







 
 
 

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